King Kongo: Mein erstes, eigenes Pferd und voll rein ins Glück
Aus der Pferdevirus Story weißt Du ja, wie ich zum Pferdenarr wurde. Um so aufregender war es für mich, so schnell selbst zum Pferdebesitzer zu werden. Eins steht fest: Dieses wundervolle Pferd ist ein Familienmitglied, ein Freund. Kongo bedeutet mir so viel und ich weiß jeden einzelnen Tag, jede Stunde, jede Minute zu schätzen und zu geniesen, die ich mit und bei ihm verbringen kann. Ich möchte erzählen über Kongo's bisheriges Leben und darüber wo Kongo heute lebt, nämlich auf Siggi's Bienwald Ranch in Neulauterburg. Seit dem 25. Juli 2000 bin ich nun schon stolzer und glücklicher Besitzer dieses wundervollen Pferdes "King Kongo". Über die Zeit, vom Tag seiner Geburt, bis zu dem Tag als er unter meine ihn schützende Hand kam, habe ich leider nur bruchstückhafte Informationen. Aber es geht eh viel mehr um die Jahre, in denen er nun schon bei mir ist. Da sind genug Höhen und Tiefen gewesen. Ich kam zunächst recht unvorbereitet und dadurch unvoreingenommen an die Reiterei. Inzwischen habe ich einiges über Pferde, die Pferdehaltung, Ausbildung und Arbeit mit Pferden gelernt. Dennoch bin ich weder der perfekte Reiter noch kann ich behaupten in der Lage zu sein, mittels Telepathie mit den Pferden zu quatschen. März 1987 bis Juli 2000 King Kongo", von "Lichine", aus der "Kentucky Crown", wird am 08.03.1987 in Frankreich geboren. Die Kariere eines Rennpferdes beginnt früh. So war es sicher auch bei Kongo. Er startete dann dreijährig, im Jahr 1990, erstmalig bei einem Galopprennen. Bis 1996 startete King Kongo insgesamt 69 mal. Im Alter von neun Jahren, im Jahr 1996, wurde King Kongo aus dem aktiven Rennsport heraus genommen. Anschließend verbrachte er die nächsten vier Jahre auf einem Gehöft, nahe des Ortes Steinweiler in der Südpfalz. Die genauen Besitzverhältnisse bis dahin sind mir nicht bekannt. Erst im Juli 2000 konnte ich mit seinem damaligen Besitzer Kontakt aufnehmen. Am 11. Juli 2000 waren wir uns einig, ich würde King Kongo, 13jährig, unentgeltlich, gegen Schutzvertrag übernehmen. 25. Juli 2000
Am Abend dieses Dienstages, brachte ein großer Pferdetransport-LKW MEIN Pferd, King Kongo, nach Karlsruhe-Knielingen. Die Besitzerin eines kleinen Western-Reitstalles hatte mir zuvor angeboten King Kongo bei ihr einzustellen. In diesem Western-Stall war ich bereits ein Jahr lang Reitschüler gewesen. Dort lernte ich das Rai-Reiten kennen, mit gebissloser Zäumung und Westernsattel. Ich war so endlos glücklich. Ein EIGENES Pferd...  King Kongo kurz nach seiner Ankunft in Karlsruhe, Ende Juli 2000
Aug. bis Nov. 2000 King Kongo litt vermeintlich an Hufrehe, an beiden Vorderhufen. Heute weiß ich daß dies wohl eine Fehldiagnose des damals zu Rate gezogenen Tierarztes war. Heute weiß ich wie die sich die Folgen einer Hufrehe sichtbar auswirken. Kongo war extrem mager, zu mager, selbst für ein Vollblut. Er hatte außerdem, aus der aktiven Rennbahnzeit, weitere bleibende Schäden mitgenommen. Sehnenschäden und einen Senkrücken. Im November 2000 hatte King Kongo alles nötige erlernt damit ich mit ihm ins Gelände ausreiten konnte. Und ich hatte die vergangenen Monate genutzt um unter Anleitung alles zu erlernen was zur Pferdehaltung nötig ist. Ich war und ich bin jeden Tag auf's neue dankbar und froh dieses edle Tier mein Eigen nennen zu dürfen. Für dieses Pferd würde ich sicher alles tun. King Kongo ist ein Familienmitglied und ein treuer Freund geworden.
Dezember 2000 bis Juli 2002 Jetzt, wo wir uns beide aneinander gewöhnt hatten, jetzt traf ich auf die ersten Schwierigkeiten. King Kongo hatte wohl in seinem bisherigen Leben nicht wirklich viel Gutes erlebt. Das würde seine ständige Nervosität erklären. Und trotzdem brachte er mir Vertrauen entgegen. Er mußte sich wohl auch erst an diesen völlig neuen Umgangston gewöhnen. Wenn man nur wüßte was in einem Pferdekopf vorsich geht. Ich leide an einer starken Sehbehinderung. Das bedeutet, schnelle Galoppaden sind für mich nur in offenem Gelände möglich, da wo ich sicher sein kann nicht doch gegen einen Ast oder Baum zu knallen oder auf die nächste Bundesstraße zu zurasen. Nun ist King Kongo aber ein Rennpferd. Und als solches verhält er sich oft noch heute. Jedoch kann ich jetzt damit umgehen. Damals, als ich nun gerademal einige Monate Kongo's neuer Besitzer war, konnte ich das noch nicht immer. Es gab also zwischen Ende 2000 und Mitte 2001 immer wieder Momente wo ich tatsächlich regelrecht angst davor hatte in den Sattel zu steigen.
Am Boden war und ist King Kongo das umgänglichste Pferd das ich kenne. Zugegeben, ich kenne nicht all zu viele Pferde, da ich ja nicht grade auf eine jahrzehnte lange Reiterkarriere zurück blicken kann. Aber Kongo ist sehr neugierig und freundlich, brav beim Führen, bei der Bodenarbeit und auch beim Hufschmied. Ein Problem das sich mir immer wieder stellte war das unbefriedigende Umfeld und Reitgelände in Karlsruhe. Nicht nur daß eine vielbefahrene Bundesstraße an dem Stallgelände vorbei führt, auch eine nahegelegene Ölraffinerie, die unheimliche Geräusche macht, und dann noch absolut unbefriedigendes Reitgelände machten es mir nicht leicht unbeschwert das Reiten geniesen zu können. Mir wurde klar daß sich Kongo in dieser, ihm wohl auch aus Rennbahnzeiten bekannten Umgebung, nicht sehr wohl fühlte und daß daraus seine Unruhe zu begründen war. Aber egal, ich wollte und ich mußte lernen mit diesem Pferd auszukommen. Und dies würde nur auf einer Vertrauensbasis geschehen können. Und so kam und kommt es für mich auch niemals in Frage mein Pferd in irgend einer Weise tätlich zu bestrafen. Mit Belohnungen erreicht man viel mehr! Ich erlebte in den ersten beiden Jahren eine Berg- und Talfahrt. Aber vor allem sah ich das stetig wachsende Vertrauen. Auch konnte ich immer besser mit seinem Temperament und seiner Nervosität umgehen und ihm endlich das sein was ein Pferd braucht, einen ranghöheren Vorangänger der das Sicherheitsdenken übernimmt. Im März 2002 wurde ich überraschend arbeitslos. Dieser Umstand wirkte sich natürlich negativ auf meine wirtschaftliche Situation aus. Dadurch kam es zu Differenzen mit der Stallbesitzerin. Und dies letzt endlich veranlasste mich den Einstellervertrag zu kündigen und mit King Kongo in einen neuen Stall zu ziehen. Natürlich war ich sehr traurig über diese Situation. Im Nachhinein war es aber das Beste was mir und meinem Pferd hätte passieren können. Denn heute steht Kongo auf Siegfried Siedow's Bienwald Ranch in Neulauterburg, nahe der französischen Grenze, King Kongo's Zuhause und dort sind wir beide sehr zufrieden und wir haben alles was wir brauchen. Seit Juli 2002: Siggi's Bienwald Ranch
Siggi kam mit dem Pferdehänger, es war der 29. Juni 2002, ein Samstag Vormittag, und Kongo stand noch bis dahin mit seinen Pferdekumpels auf der Koppel und graste. Aber er spürte wohl auch daß etwas außergewöhnliches passieren würde. Als der Hänger dann für Kongo bereit stand und ich ihn von der Koppel auf jenen Hänger zuführte, hatte ich wirklich sehr nahe am Wasser gebaut. Immerhin hatte ich hier in den letzten zwei Jahren den größten Teil meiner Freizeit verbracht. Und das war immer eine schöne Zeit. Dazu kam die Trauer und die Wut darüber daß manche Dinge immer so unglücklich verlaufen. Kongo wieherte zum Abschied. 20 Minuten später erkundete er bereits sein neues Reich. Mein Pferd hat inzwischen ein, für einen Vollblüter mit Rennbahn-Erfahrung, beachtliches Alter erreicht. Er hat noch immer ganz mächtig Feuer im Hintern, er ist noch immer sehr temperamentvoll. Aber eines ist er nicht mehr: Nervös. Er hatte sich im ersten Sommer bei Siggi schnell eingelebt und hatte er früher nur vier Artgenossen um sich, so waren es nun hier eine Herde von fast 20 Pferden. Dieses Pferd war plötzlich wie um 180 Grad gewendet. Ausritte ohne irgendwelche Überraschungen waren plötzlich nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.
Leider gab es kurz nach unserer Ankunft bei Siggi ein Problem. Als Anfänger unter den Pferdebsitzern hatte ich mich in der Zeit in Karlsruhe auf die Aussagen der mich umgebenden Pferdeleute verlassen und überließ einem Pfuscher von Hufschmied Kongo's ohnehin schon schlimme Hufe. Die Rechnung kam prompt. Guido Dringenberg, mein heutiger Hufschmied und ein Meister seines Faches, schlug nur die Hände über seinem Kopf zusammen als er Kongo's desarströse Hufe sah. Dies bedeutete im August 2002: Hufeisen runter und Hufhorn nachwachsen lassen. Reiten - Nada! Im Herbst 2002 war die Sache gegessen, leichte Hufeisen blieben an ihrem Platz ohne daß die Hufnägel das bischen Hufhorn ausrissen und so konnte ich endlich wieder Gas geben. Noch immer stand die Erkundung dieses ganzen Geländes aus. Und vor allem mußte ich jetzt bei Siggi nicht mehr alleine reiten. Viele, nette Leute und ihre Pferde habe ich dort kennen lernen können.
Die Jahre 2003 und 2004 vergingen wie im Fluge. Wir überlebten den wahnsinns-Sommer 2003, mein letzter unfreiwilliger Abstieg von Kongo's Rücken erlebte ich im Oktober 2003 und in 2004 war der Tierarzt Dauergast. Aber wir schaffen alles und Kongo bereitet mir mehr Freude als sonst irgend etwas. Inzwischen sind Kongo und ich ein unzertrennbares Team! Wir kennen einander, ich kenne seine Macken, ich weiß wie er sich in den verschiedensten Situationen verhält. Und Kongo hat sich voll und ganz auf mich fixiert, ohne dabei anderen Pferden und Menschen gegenüber mißtrauisch zu begegnen. Kongo ist kein einfaches Pferd, aber das ist völlig okay so!
Verdammt nochmal! Kongo ist ein wunderschönes Pferd, ein prächtiges, edles Ross, trotz seines Alters, trotz Senkrücken und Hufproblemen, er ist das schönste Pferd auf der Welt!
Bei Fertigstellung dieses Berichtes sind Kongo und ich nun fast drei Jahre in Siggi's Pferdestall. Das Jahr 2004 war bisher das schwierigste für uns, immer wieder Probleme mit den Hufgelenken und den Vorderhufen selbst, Verletzungen aus Rangkämpfen auf der Koppel und ein Grippevirus im Stall. Ende 2004 diagnostizierte der Tierarzt stark voran geschrittene Artrose in Huf- und Fesselgelenken beider Vorderbeine. Dies und weitere Schädigungen sind das Ergebnis von mindestens sechs Jahren Terror auf Rennbahnen und beim Training, verursacht von herzlosen Menschen, denen ich nicht mal einen Hamster anvertrauen würde.
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