Dies ist die Pferdevirus Story: Keine Chance den Pferden zu entkommen... Die Pferdevirus Story ist etwas größer geraten. Sie beschreibt meine Erlebnisse von April 1999 bis zum Sommer 2002.
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Teil 1 Hätte mir vor dem 13. April 1999 jemand erzählt, daß ich etwa ein Jahr später zum Kreise der Pferdebesitzer zählen würde, ich hätte ihn für komplett verrückt erklärt. Aber so war's! Ich begleitete meine Eltern ins Österreichische Burgenland, in die Nähe des Neusiedler Sees. Dabei zählte für mich eher der Gedanke mal wieder einen gesponserten Urlaub geniesen zu können, als etwa mit meinen „Alten" zehn Tage verbringen zu müssen. Nach acht Stunden Autofahrt bogen wir endlich in die Einfahrt des „VILA VITA Hotel und Feriendorf Pannonia" ein. Die ganze Landschaft des Burgenlandes machte auf mich einen eher öden Eindruck. Doch selbigen Eindruck sollte ich bald vergessen haben. Das Vila Vita Hotel und Feriendorf - nur so viel: Vier Sterne Schuppen! Totaler Wohlfühlladen mit allem was das Herz begehrt, vom edlen Fresstempel bis zum ungezwungenen Badevergnügen am Hotel eigenen Badesee. Im Ferienprogramm der Animation stand dann auch was von Reiten – Schnupperstunde für Anfänger im eigenen Pferdestall. Und eben an jenem 13. April lernte ich Sylvia kennen. Ich betrat das Stallgebäude und traf zunächst auf Jonny, den Pferdemann aus Ungarn. Er begrüßte mich und schon einige Minuten später sahs ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem richtigen Pferdereitersattel, auf einem Pferd, auf einem riesen Pferd, ein dunkelbrauner Wallach. An der Longe ging es im Kreis herum und ich war infiziert - vom Pferdevirus. In den Zehn Tagen die ich dort verbrachte, nahm ich mehrere Reitstunden an der Longe. Nach dem ersten Mal Leichttraben war ich heil froh die Sache lebend überstanden zu haben. Aber es wirkte. Vielleicht war's der höllen Muskelkater, irgendwas fesselte mich an diesen ganzen Pferdezirkus, plötzlich war ich wie berauscht von dieser ganzen Pferdestall-Atmosphäre. Ich genoss diesen herrlichen Geruch von Pferden, den Geruch des Leders der Sättel, der Zäume und den Geruch von Heu und Stroh. Und einer der schönsten Augenblicke war für mich ein verregneter Sonntag Morgen. Eigentlich wollte ich am allmorgendlichen Fitness-Programm der Animation teilnehmen. Dazu zählte auch Joggen. Aber da es furchtbar regnete und es dadurch auch ungemütlich kalt war, bremste ich das Fahrrad auf dem Weg zur Sportrezeption vor dem Reitstall ab. Es war noch sehr früh am Morgen. Jonny hatte frei und so war Sylvia grade damit beschäftigt die letzten Schubkarren Stroh in die Boxen einzustreuen. Durchnässt trat ich in den Stall und Sylvia begrüßte mich. Natürlich bot ich meine Hilfe an. Also verbrachte ich die nächste gute halbe Stunde damit, die von angetrocknetem Dreck bedeckten Leiber der zehn Pferde abzubürsten. Die Pferde waren schon draußen gewesen um sich zu wälzen. Im Stall war es ruhig, herrlich ruhig. Nur das Fressen und Schnauben der Pferde und der prasselnde Regen waren zu hören. Die Körper der Pferde strahlten eine angenehme Wärme aus. Während ich dann "Lady", eine Hannoveraner Schimmelstute, mit einer Pferdebürste bearbeitete, schloss sich Sylvia dieser Tätigkeit an. Sylvia meinte in ihrem österreichischen Dialekt, bald würde ich sicher mein eigenes Pferd haben. Ich lächelte vor mich hin, wie sollte ich daß anstellen? Scheiß Job, keine Kohle und überhaupt keine Ahnung wie man mit Pferden umgeht. Da es regnete wollte Sylvia die Pferde nicht auf die beiden großen Ausläufe stellen die sich vor dem Stallgebäude befinden. Also blieben alle in der Box. Ich wußte und verstand damals eh noch nichts von Pferdehaltung und so war das Thema für mich erledigt. Ich fühlte mich einfach nur wohl. Diese Ruhe, die Gegenwart der Pferde und das wunderschöne Stallgebäude, welches Pferden wie Menschen Schutz vor dem ungemütlichen Wetter bot, erweckten in mir eine seltene, innere Freude. Dieses Gefühl zog die Knoten der Seile ein Stück fester, die mich jetzt an die Pferde fesselten. Meine Hände und meine Kleidung hatten den so herrlichen Körpergeruch der Pferde angenommen. Wenige Tage später, wieder Zuhause, brach der Virus erst richtig aus. Man leidet unter den Symptomen, dieser plötzlichen Sehnsucht nach diesen wunderbaren, edlen Tieren, nach der Gesellschaft mit ihnen und den Menschen die genau so fühlen und denken. Also, was tun? Klar, ich habe jedes Wochenende damit verbracht einen Reitstall zu finden. Das ist garnicht so einfach! Den Pferden soll es gut gehen, der Stall darf nicht zu weit weg sein und der Reitunterricht nicht zu teuer und dann wünscht man sich natürlich auch, daß dort gute Stimmung herrscht. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich landete bei einem Western-Stall in Knielingen, einem Vorort von Karlsruhe. Es gab dort einige Vollblutpferde und Ponys. Dort lernte ich das Rai-Reiten kennen. Ich genoss viele Ausritte auf den Pferden dort und lernte ganz grundlegende Dinge wie man mit Pferden umgeht. Nun ja, aber noch im Sommer 1999, dem Sommer der totalen Sonnenfinsternis über Süddeutschland, sollte sich Zuwachs in der Familie der Stallbetreiberin einstellen. Dadurch war es ihr natürlich nicht oder nur noch sporadisch möglich Reitunterricht zu geben. Aber ich wollte, jetzt wo ich bis über beide Pferdeohren in selbige verliebt war, nicht auf Pferde verzichten. So begann die Suche nach einem Reitstall von Neuem. Aber ich wurde schnell fündig und fand den Weg nach Berghausen, ein nettes, kleines Bonzenkaff östlich von Karlsruhe. So machte ich in der Reitanlage Berghausen, in der Steigstrasse 25, die Bekanntschaft mit Sabine Staab, meiner Reitlehrerin für die nächsten zehn Monate. Meine erste Reitstunde bei ihr hatte ich anfang August 1999, an einem verdammt heissen Tag und ich war schon etwas aufgeregt. Zwar hatte ich mir im Juli bereits die Reithalle, den Stall und die Pferde angesehen, aber dennoch war es für mich ein kribbelndes Gefühl. Da stand ich also, in Jeanshosen und Turnschuhen. Ich hatte bis dahin noch keine Reiterkluft gekauft und so kam ich mir schon doof vor. Sicher kennen daß viele, man kommt neu in einen Stall und wird dann erst mal von den geschniegelten Reitermädels, komplett eingetütet in Voll-Leder-Reithose, Bluse, Weste, Reitkappe, schwarze, hochglanz pollierte Lederstiefel samt Sporen und Gerte unter'm Arm, von oben bis unten gemustert und in der Stall-Rangordnung erst mal in die Abstiegsränge eingestuft, so zwischen Grünschnabel und Stallsklave. Aber ich kann das nicht mal Übel nehmen. Heute ertappe ich mich gelegentlich selbst dabei wie ich neue Leute auf'm Hof etwas skeptisch beäuge. Nun gut. So wie Sylvia im April, so nahm mich Sabine erst mal an die Longe. Nach den vergangenen drei Monaten, die ich gemütlich im Westernsattel rumlungern konnte, war es gleich ein ziemlicher Hammer sich wieder diese anstrengende Englisch-Reiterei anzutun. Die Anstrengung und die Hitze dieses Sommertages waren mir wohl sehr deutlich anzusehen, ich wurde schon nach 40 Minuten von den "Qualen" erlöst. Dem Pferd ging es wohl ähnlich. Die Monate vergingen, es wurde echt kalt draußen, eben normal im Winter, und ich ließ mich ein- bis zweimal in der Woche von Sabine in der Abteilung, in dieser 20x60 Meter großen Reitbahn quälen. Ja ich denke man muss schon ein Stück weit devot veranlagt sein, um sich immer wieder diesen strengen Regeln und Pflichten in einem Reitbetrieb, Schulstall, was auch immer, zu "unterwerfen". Ist das jetzt schon ein Outing gewesen? Zwischenzeitlich hatte ich mich natürlich auch standesgemäß eingekleidet und eine hesslich-schöne, schwarze Reitkappe ziehrte meinen Schädel. Tja, und am Montag, den 24. Jänner 2000, gegen 18:00 Uhr, die Reithallen-Innentemperatur lag etwa bei -10°C, bin ich dann zum ersten Mal seit ich mit Pferden zu tun hatte unfreiwillig abgestiegen. Mein Schulpferd "Zeus", nicht nur dem Namen nach ein "göttliches" Tier, also Zeus hat mich von seinem Rücken gebuckelt. Hätte ich besser auf den Knieschluss geachtet, hätte ich mich vielleicht noch halten können, oder wie man im Volksmund sagt: "Wenn der Hund nicht geschissen hätte, hätte er den Haasen gekriegt". Zugegeben eine recht farbige Metapher. Aber es war passiert und ich war plötzlich ziemlich froh über diese hesslich-schöne, schwarze Reitkappe. Diese konnte allerdings auch nicht verhindern, daß ich mir das linke Schlüsselbein brach. Schwamm drüber, immerhin verhalf mir dieser geniale Sturz zu fünf Wochen Krankenschein!!!
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